Die ICC-Bibelstudien: Eine Kritische Analyse

Die ICC-Bibelstudien: Eine Kritische Analyse

von Dave Anderson
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Übergesetzt von Barbara Pfeifer und Astrid Perst


Zusammenfassung

Die Bibelstudienserie der International Churches of Christ (ICC; dt. Internationale Gemeinden Christi) wurde untersucht Jedes Studium in der Serie fordert Zustimmung zu einer Reihe von Begriffen oder Herausforderungen. Bei den einzelnen Studien wurde klar, daß von Verdrehung biblischer Wahrheiten, von unlogischen Argumenten und von emotionaler Manipulation Gebrauch gemacht wurde, um Zustimmung zu erzielen. Es wurde herausgefunden, daß mit dem Fortschreiten des Bibelstudiums zunehmend bedeutsame Verpflichtungen vom Studenten gefordert wurden. Die Serie als Ganzes macht Gebrauch von abgestufter, zunehmender Offenlegung. Das Schlußergebnis war, daß die Studienserie trotz einiger guter Absichten der ICC-Studienleiter die Fähigkeit des Studenten für freiwillige Zustimmung manipuliert. Die Serie engt die Ansichten des Studenten systematisch ein, bis die einzig akzeptable Wahl darin besteht, ein Mitglied der Gruppe zu werden.


Inhaltsverzeichnis


Einleitung

Jedes zukünftige Mitglied der ICC durchläuft vor der Taufe eine intensive Zeit des Bibelstudiums. Die folgende Analyse wird die ICC-Bibelstudien untersuchen, nicht nur als eine Darlegung der Lehre, sondern als ein System der Belehrung, das die Zustimmung des einzelnen manipuliert, um den Interessen der Gruppe zu dienen. Der Kernpunkt ist zu zeigen, wie die Darbietung der ICC-Lehre dahingehend manipuliert ist, die Verbundenheit des Studenten zu bewirken.

An einigen Stellen der Analyse wird erweitert über Lehrmeinungen gesprochen.(1) Besorgnis über die ICC-Lehre wird auf drei Hauptlinien erforscht: Inkosequenzen innerhalb des ICC-Glaubenssystems, unlogische Entwicklung der ICC-Lehrideen und Widersprüche zwischen ICC-Lehren und dem biblischen Modell, dem die Gruppe angeblich folgt. Die Analyse wird nicht versuchen, den gesamten Inhalt der Serie zu präsentieren, sondern sich eher auf bestimmte Gebiete konzentrieren, die besorgniserregend sind.

Für die Studien wurden mehrere ICC-Quellen herangezogen, weil an einigen Stellen verschiedene gedruckte Materialien repräsentativ zu sein scheinen oder die innere Lehre eher offenbaren können. Die Liste “Zitierte Bibelstellen”, die am Anfang jeder Studie erscheint, ist auch gemischt zusammengesetzt. Die Reihenfolge der Studien variiert in den verschiedenen gedruckten Quellen und auch in der individuellen Anwendung ein wenig. Je nachdem wie der Student vorankommt, werden einige Studien übersprungen oder wiederholt. Die hier angegebene Reihenfolge ist annähernd ein Beispiel dafür, wie sich eine typische Serie gestalten könnte. Der genaue Inhalt einer ICC-Studie variiert von einem Mitglied zum anderen. Außerdem können sich die Namen einiger Studien von einer lokalen ICC-Gruppe zur anderen unterscheiden, obwohl gewöhnlich eine überlappung des Inhalts zu finden ist.

In der ganzen Analyse wird das ICC Mitglied, das die einzelnen Bibelstudien leitet, “Studienleiter” genannt. Das zukünftige Mitglied wird “Student” oder “Rekrut” genannt. Alle Bibelzitate sind der Luther-Bibel entnommen, wenn nicht anders angegeben.

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Geschichte

Die Wurzeln der International Churches of Christ können bis zum Crossroads Movement der späten Sechziger und frühen Siebzigerjahre zurückverfolgt werden. Kip McKean bekehrte sich 1972 und wurde später durch Chuck Lucas, der damals an der Uni im Auftrag der Crossroads Church of Christ diente, für den Dienst in Gainsville, Florida trainiert (Barnett, 1989). 1979 übersiedelte McKean nach Lexington, Massachusetts, um mit einer kleinen Gruppe zu arbeiten, die bald als Boston Church of Christ bekannt wurde. Durch die Jüngerschaftsmethoden, die McKean durch Crossroads gelernt hatte, wuchs die Gemeinde in Boston schnell.

McKean behauptet, daß Gott ihm in den frühen Achtzigerjahren “einen Plan, die Welt zu evangelisieren”, ans Herz gelegt hat (McKean, 1989). Als die Boston Church of Christ anfing, Gemeinden rings um die Welt zu “pflanzen”, wurde der Name Boston Movement geprägt. Die Bewegung änderte den Namen in International Churches of Christ (dt. Die Internationalen Gemeinden Christi), nachdem die Kirchenführung und die Organisation in den frühen Neunzigerjahren nach Los Angeles übersiedelte. Heute behauptet die Bewegung, 175 Gemeinden in 70 Ländern mit einer Mitgliedschaft von mehr als 70.000 Mitgliedern weltweit gegründet zu haben (Griest, 1995).

Besorgnis über die psychologische Auswirkung der Mitgliedschaft (Yeakley, 1988) und das ethische Benehmen der Organisation (Bauer, 1994) ist verbreitet zum Ausdruck gekommen. Vergleiche mit Liftons acht psychologischen Themen der Bewußtseinskontrolle sind gemacht worden (Bauer, 1994; Giambalvo & Rosedale, 1996).

Die Zusammenstellung der Bibelstudienserie läuft parallel zum Anwachsen der Bewegung. Der letzten Veröffentlichung der Bibelstudien zufolge (McKean, 1993) ist die Serie von McKean 1979 vorbereitet worden, obwohl sie in den dazwischenliegenden Jahren “fein abgestimmt wurde, um bestimmte Bedürfnisse abzudecken” (Ibid., Seite 2). ICC-Weltsektor-Leiter und Sprecher Al Baird verteidigte die Serie, indem er sagte: “Die Studien sind nur ein Versuch, die Bibel auf die grundlegenden Bestandteile der Nachfolge Jesu zu reduzieren” (Griest, F4).

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Ein Überblick Über die Studien

Die Wort Gottes-Studie

Zitierte Bibelstellen: 2 Tim 3,16-17; Hebr 4,12-13; 2 Petr 1,19-21; Joh 8,31-32; Mk 7,1-13; Mt 15,12-14; Apg 17,10-12; Joh 12,47-48

Der Inhalt der Wort-Studie, die als eine Anfangsstudie vorgesehen ist, ist relativ unanfechtbar. Die Hauptpunkte der Studie gruppieren sich um die Autorität der Bibel (“Gottes Wort”). Aber ein großer Teil der Studie bereitet den Weg für den Studenten, das spezifische Glaubenssystem der

ICC anzunehmen.

Viele Bibeltexte werden während der Studienserie gebraucht, und der Studienleiter beginnt mit einer Stelle, um die ganze Bibel als eine Quelle der Wahrheit zu bestätigen. Die Wort-Studie beginnt mit

2 Tim 3,16-17 (McKean, 1993): “Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.” Die buchstäbliche Bedeutung dieser Stelle ist, daß die Schrift von Gott inspiriert ist und daß die ganze Schrift im Leben der Menschen angewandt werden soll.

Obwohl der Text sagt, daß “alle Schrift von Gott eingegeben ist“, ist es wichtig zu beachten, was er nicht sagt. Er sagt nicht, daß alle Auslegungen der Schrift inspiriert sind. Ebenso, obwohl es im Text heißt, daß “alle Schrift nütze ist”, ist es nicht logisch zu folgern, daß alle Anwendung der Schrift korrekt ist. Wenn einer glaubt, daß die ganze Bibel inspiriert ist, muß er aber auch merken, daß man in die Schrift etwas “hineinlesen”, etwas falsch anwenden oder ohne Kontext zitieren kann. Es ist wichtig, dies zu bedenken, wenn die einzelnen Bibelstudien der ICC untersucht werden.

Neben der Begründung der Autorität der Bibel dient die Wort-Studie auch dazu, den Studenten subtil zu ermutigen, die Lehren der ICC in sich aufzunehmen. Zum Beispiel einer der Schlüsse, der 2 Petr 1,19-21 (“keine Weissagung in der Schrift ein Sache eigener Auslegung ist”) entnommen ist, ist: “Es gibt keine private Auslegung der Bibel”(Ibid.).

Erstens ist diese Schlußfolgerung keine logische Folgerung aus diesem Text; der Text spricht vom Ursprung der Schrift – wie die Schrift geschrieben wurde, nicht wie sie gelesen werden sollte. Auch derjenige, der die biblische Genauigkeit der Bedeutung am standhaftesten vertritt, beteiligt sich, wenn er die Bibel liest, auf irgendeiner Ebene an der Auslegung. Betrachte Pred 10,19: “Man hält Mahlzeiten, um zu lachen, und der Wein erfreut das Leben, und das Geld muß alles zuwege bringen.” Die meisten Leser werden diesen Vers als scherzhaft auslegen, damit er mit anderen Aussagen der Bibel über Geld übereinstimmt.

Zweitens, wenn der Student keine “eigene Auslegung” der Schrift haben darf, dann wird er offensichtlich die wörtliche Bedeutung von jedem Text so annehmen müssen, wie er sie dargeboten bekommt. Dadurch kann das Glaubenssystem des Studenten manipuliert werden, indem die Wahl und Reihenfolge der dargebotenen Bibelstellen überwacht werden. Der Student wird geneigt sein, anstatt einer eigenen Auslegung eher die Auslegung der Gruppe zu akzeptieren.

Während die Studienserie das Glaubenssystem der ICC vorstellt, wird sie gleichzeitig den früheren Glauben des Studenten in Frage stellen. Der Prozeß, das vorige Glaubenssystem des Studenten niederzureißen, beginnt mit dem Wort-Studie. Mk 7,1-13 wird vielleicht angeführt (First Principles, n.d.): “… Ihr verlaßt Gottes Gebot und haltet der Menschen Satzungen … und hebt so Gottes Wort auf durch eure Satzungen, die ihr überliefert habt; und dergleichen tut ihr viel.” Dieser Text stellt die Möglichkeit dar, daß die religiösen Traditionen des Studenten in den Augen Gottes keine Gültigkeit haben. Dem Studenten wird abgeraten, seine religiösen Traditionen zum Maßstab im Leben zu machen, und er wird ermutigt, “das Wort” zu seinem Maßstab zu machen.

Es folgt eine Liste von Schlußfolgerungen und Herausforderungen, die in der Wort-Studie dargeboten werden, und von den jeweils möglichen Wirkungen, die diese für den Studenten haben können:

Schlußfolgerung: Alle Schrift ist nützlich und soll in unserem Leben angewandt werden. Bereitet den Studenten vor, den Gebrauch von vielen Bibelstellen in den Studienserien zu akzeptieren.

Schlußfolgerung: Es gibt keine private Auslegung der Bibel. Ermutigt den Studenten, die buchstäbliche Bedeutung der angeführten Stellen anzunehmen. Setzt minimale Bedeutung auf den Zusammenhang, um die Bibel zu verstehen, wodurch die Betonung auf kritische überlegungen über die Texte, wie sie in der Serie angewandt werden, herabgesetzt wird.

Herausforderung: “Willst du dich nach dem Wort Gottes anstatt nach deinen religiösen Traditionen richten?” (Ibid.) Ermutigt den Studenten, seine religiösen Traditionen zu hinterfragen. Die religiösen Traditionen des Studenten werden allmählich mit den Meinungen/Traditionen der Gruppe ersetzt.

Herausforderung: “Willst du dich nach dem Wort Gottes anstatt nach deinen Gefühlen richten?” (Ibid.) Ermutigt den Studenten, den Lehren der Studienserie mehr zu vertrauen als den eigenen Gefühlen über die Bibel, über die Gruppe oder über den fortschreitenden Rekrutierungsprozeß.

Obwohl die Studenten den Eindruck haben mögen, sie wären bloß aufgerufen, der “Bibel zu folgen”, werden sie in Wahrheit aufgerufen, sich schrittweise das ganze ICC-Glaubenssystem anzueignen. Die ICC-Studienserie verwendet nicht die ganze Bibel, sondern eine selektive Abkürzung: die ausgewählten Texte repräsentieren weniger als 2% der gesamten Anzahl von Versen in der Bibel und werden in einer vorherbestimmten Reihenfolge dargeboten.

Am Ende der Studie wird der Rekrut herausgefordert, “das Wort” zu seinem “Maßstab” zu machen (Equipping Class for Young Disciples, 1991). Auf diese Weise führt die Wort-Studie den Studenten indirekt dazu, die Version der Wahrheit zu akzeptieren, die die Gruppe vertritt. Wenn wir in Betracht ziehen, daß die Studienserie sich aus Texten, die von der ICC gewählt und gedeutet wurden, zusammensetzt, dann erscheint der angebotene “Maßstab” als der Maßstab der Gruppe.

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Die Jüngerschafts-Studie

Zitierte Bibelstellen: Apg 11,19-26; Mk 1,14-18; Lk 9,23-26; Lk 9,57-62; Lk 14,25-35; Lk 11,1-4; Mt 28,18-20

Die Jüngerschafts-Studie kann vom Studenten als ein wohlgemeinter Versuch, ihn zu einer tieferen Hingabe an Christus zu ermutigen, empfunden werden. Aber die Studie wird auch zu bestätigen versuchen, daß der Student nie ein Jünger gewesen ist, kein Christ ist und nicht gerettet ist. In First Principles (n.d.) wird gesagt, daß eine der Absichten der Jügerschafts-Studie darin besteht, “der religiösen Person erkennen zu helfen, daß sie kein Christ ist. (In anderen Worten, sie mag Christ sein, wie die Gesellschaft das Wort versteht, aber nicht wie die Bibel es versteht.)” Es wird angenommen, daß jeder Mensch außerhalb der Gruppe, auch “die religiöse Person”, die Errettung braucht. Wenn es einmal festgestellt wurde, daß der Student kein “Jünger” ist, werden nachfolgende Studien die Notwendigkeit der Taufe in die ICC demonstrieren.

Der Studienleiter mag damit beginnen, daß er erklärt, daß das Wort “Jünger” im Neuen Testament über 270 mal aufscheint, verglichen mit dem Wort “Christ”, das nur dreimal aufscheint (McKean, 1993, S. 6). Dann wird dem Studenten folgende Gleichung vorgestellt:

Jünger = Christ = Gerettete(r)” (Jacoby, 1990, S. 142)

Diese Gleichung wird von Apg 11,26 abgeleitet: “In Antiochia wurden die Jünger zuerst Christen genannt.” Ihre Beweisführung ist, daß die frühesten Gläubigen “Jünger” genannt wurden, bevor sie je “Christen” genannt wurden, daher ist es unmöglich, ein Christ zu sein, ohne Jünger zu sein, und um gerettet zu werden, muß man Jünger sein. Aber wenn man den ganzen Inhalt von Apg 11 betrachtet, scheint der Text eher den Ort anzusprechen als die Errettung. Der Vers scheint implizit zu sagen, daß es in Antiochien war, wo den Jüngern der Spitzname “Christen” gegeben wurde.(2)

Apg 11,26 mag andeuten, daß beide Ausdrücke, “Jünger” und “Christ”, erlaubt sind und das gleiche bedeuten. Aber Christen werden im Neuen Testament verschiedene Namen zugeschrieben, inklusive “Jünger”, “Gläubige”, “Christen”, “Brüder”, “Schwestern” usw. Tatsächlich ist es auffallend, daß das Wort “Jünger” (und alle seine Formen) in keinem Brief des Neuen Testamentes zu finden ist. Die Tatsache, daß das Wort “Jünger” in 22 von den 27 Büchern des Neuen Testaments nicht gebraucht wird, scheint anzuzeigen, daß die Annahme des Namens “Jünger” im Christsein nicht zwingend ist.

Man könnte fragen: Wenn Jüngerschaft und Christsein wirklich synonym sind, was hat es für einen Zweck, die Einstellung des Studenten von einem Ausdruck (Christ) zum anderen (Jünger) zu verschieben? Indem Christ = Jünger definiert wird, ist diese Studie dahingehend effektiv, daß die Rekruten ihren geistlichen Status neu definieren. Die meisten Studenten, die das Studium anfangen, werden schon eine Vorstellung haben, was ein Christ ist und ob sie einer sind oder nicht. Aber indem die Studenten den Begriff Jüngerschaft fokussieren, können die Studienleiter definieren, was, nach Auslegung der Gruppe, ein Jünger ist, und zuletzt die Frage stellen: “Bist du ein Jünger?” Am Ende dieser Studie kann es sein, daß Studenten sich selbst mit der Schlußfolgerung überraschen, daß sie doch keine Christen sind.

Die Jüngerschafts-Studie skizziert die Ansicht der ICC, was ein Jünger ist. In den Augen der ICC, enthält der Große Auftrag (Mt 28,18-20) einen Befehl, daß alle Jünger es nötig haben, geschult (discipled; dt. “bejüngert”) zu werden. “Bejüngert werden” heißt, einen Jüngerschaftspartner (discipler) zu haben, eine Person, zu der jedes ICC-Mitglied zur geistlichen Führung, zum Bekenntnis von Sünden und zur Billigung aller größeren Entscheidungen geht.(3)

Die ICC benutzt Mt 28,18-20 auch, um Bekehrte zu unterrichten, daß sie andere zur Bekehrung zur Gruppe bringen sollten. Der Student wird belehrt, daß der Große Auftrag jedem Jünger befiehlt, aus allen Nationen Jünger zu machen.(4) Als Folge dieser Deutung, hat die ICC The Evangelization Proclamation (Baird et al., 1994) herausgegeben, worin die Bewegung ihre Absicht darlegt, bis zum Jahr 2000 in jedem größeren Land eine Kirche zu gründen, offenbar als Versuch, den Großen Auftrag zu erfüllen. Ein Vergleich zwischen den beiden Bibelübersetzungen NIV und King James ist an dieser Stelle nützlich (Mt 28,19).

King James: “Go ye therefore, and teach all the nations…” (The Holy Bible, 1977) (vgl. übersetzung nach M. Luther: “Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker…”)

NIV: “Go and make disciples of all nations…” (Life Application Bible, 1991) (dt. “Gehet hin und machet Jünger von allen Völkern..”)

Diese übersetzungen und das ursprüngliche Griechische zeigen, daß der Befehl war, die Nationen (die Menschen der Welt) zu Jüngern (Lernenden) zu machen. Statt dessen hat die ICC diesen Text umgedeutet in: “Gehet hin und machet Jünger in allen Nationen.” Der Unterschied zwischen diesen zwei Auslegungen ist eindrucksvoll: Die eine liest sich wie der Große Auftrag, die andere wie die “Große Quote”! Letztere Deutung ist nützlich, die Aufmerksamkeit des Mitglieds auf den besonderen Plan der ICC für Weltevangelisation und Wachstum der Organisation zu konzentrieren.

In den späten Achtzigerjahren hat die Leiterschaft der Bewegung aus dem Großen Auftrag eine neue Lehre abgeleitet: Nur Jünger sind Taufkandidaten (McKean, 1987). Diese Lehre ist der Wortreihenfolge von Mt 28,19 entnommen: “…machet zu Jüngern…taufet sie…”. Aber nur weil das Zeitwort “machet” vor dem Zeitwort “taufet” erscheint, bedeutet es nicht notwendigerweise, daß man zuerst Jünger macht, und sie dann tauft. Wortstellungen schreiben keine Handlungsreihenfolgen vor. Vielmehr deutet sowohl die englische als auch die griechische Grammatik an, daß Taufen ein Teil von “Jünger machen” ist. Es scheint, daß die ICC eine Kernlehre auf ein grammatikalisches Mißverständnis aufgebaut hat!(5)

ICC-Leiter lehren immer noch: “Du darfst nicht getauft werden, bis du nicht Jünger geworden bist” (Young, 1992). Manchmal wird es so ausgedrückt, daß die Vorgehensweise ist, “…nur Menschen zu taufen, die sich entschieden haben, Jünger zu sein” (McKean, 1992). Bauer (1994) erwähnt: “Es bestehen klare und wiederholte Widersprüche und Unverträglichkeiten zwischen ‘der Entscheidung, ein Jünger zu sein’ und ‘als Jünger getauft zu werden'”. Es scheint, daß beide Dinge gleichzeitig gelehrt werden, obwohl die zwei Lehren unvereinbar erscheinen. Ein Beobachter sagte: “Wenn ich die Entscheidung treffe, Doktor zu werden, bin ich trotzdem kein Doktor” (Ruhland, 1996).

Die Lehre “Taufe von Jüngern” bringt auffallende Widersprüche hervor, wenn sie mit anderen ICC- Lehren verglichen wird. Schauen wir einen Ausspruch aus der Jüngerschafts-Studie in First Principles an:

“Wer ist ein Kandidat für die Taufe? Jünger.” (McKean, 1993, S. 7)

Wenn wir nun anhand der Gleichung Jünger = Christ = Gerettete(r) einsetzen, würde man als logische Folgerung zu dem Schluß kommen:

“Wer ist ein Kandidat für die Taufe? Christen“, oder

“Wer ist ein Kandidat für die Taufe? (Menschen, die schon) Gerettete (sind).”

Aber diese Feststellungen stehen im Widerspruch zur ICC-Doktrin. Der gleichen Publikation zufolge “ist die Taufe der Zeitpunkt, wo wir Christen werden” (Ibid., S. 26), und “dies (Taufe) ist der Zeitpunkt, wo eine Person gerettet wird” (Ibid., S. 13).

Um die gleiche Widersprüchlichkeit von einer anderen Warte aus herauszustellen, betrachte folgende ICC-Lehren:

Feststellung 1. “Bei der Taufe werden wir Christen” (Ibid., S. 26).

Feststellung 2. “Christ = Jünger” (Ibid., S. 6).

Feststellung 3. “Du kannst nicht getauft werden, bis du ein Jünger bist” (Young, 1992).

Und jetzt beachte das Ergebnis, wenn diese drei Feststellungen zusammengesetzt werden. Wiederum durch Einsetzen der Worte aus der Gleichung Jünger = Christ = Gerettete(r) gelangen wir zu folgender Feststellung: “Du kannst nicht getauft werden, bis du Christ geworden bist.” Dies widerspricht Feststellung 1. Man könnte durch weiteres Austauschen der Worte zu folgenden albernen Feststellungen gelangen: “Du kannst nicht getauft werden, bis du getauft wirst.” Oder “Du kannst nicht Christ werden, bis du ein Christ wirst.” Diese Widersprüche zeigen klar, daß die Doktrin von “Taufe von Jüngern” in sich nicht konsistent ist.(6)

Am Ende der Jüngerschafts-Studie wird der Student gefragt, ob er ein Jünger ist, ob er ein Christ ist und ob er gerettet ist. Weil dem Studenten eine eigenwillige Deutung von Jüngerschaft, die von niemandem außerhalb der ICC als gültig angesehen wird, dargestellt worden ist, ist die einzig akzeptable Erwiderung auf diese Fragen ein “Nein”. Wenn die Studie erfolgreich ist, egal wer der Student ist und ungeachtet seines religiösen Hintergrundes, wird sie “beweisen”, daß der Student das Heil, wie es die Gruppe definiert, nötig hat.

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Die Reich Gottes-Studie

Zitierte Bibelstellen: Dan 2,31-45; Jes 2,2-3; Mt 3,1-5; Mt 4,17; Joh 3,1-5; Mk 9,1; Mt 16,13-20; Lk 23,50-51; Lk 24,44-49; Apg 1,1-19; Apg 2,1-5; Apg 2,36-39; Apg 2,42-47; 1 Kor 3,11; Mt 6,25-33

Der Zweck der Reich Gottes-Studie ist es aufzuzeigen, daß das biblische “Königreich des Himmels” oder “Königreich Gottes” synonym mit der “Gemeinde” ist. Ob ausdrücklich vom Studienleiter ausgesprochen oder nicht, die “innere Doktrin” sagt, daß die ICC das Königreich Gottes ist (McKean, 1989). Der Student wird herausgefordert, in seinem Leben “zuerst nach dem Reich Gottes” (ICC) zu trachten.

Die Studie beginnt mit einer Aneinanderreihung von biblischen Prophetien über das “Königreich”, gipfelnd in der Schlußfolgerung, daß “die Kirche, gegründet ungefähr im Jahre 33 nach Christus, das Königreich Gottes auf Erden ist” (McKean, 1993, S. 11).

Die Ansicht, daß die Kirche mit dem Reich Gottes synonym ist, bringt einige theologische Widersprüche hervor. Obwohl die neutestamentlichen Autoren dann und wann das Reich Gottes in der Gegenwartsform erwähnen (Kol 1,13; 1 Kor 4,20), sprechen viele andere Stellen vom Königreich als etwas, das geerbt werden soll, vermutlich nach diesem Leben (1 Kor 6,9; 15,50; Gal 5,21; Jak 2,5). Apg 14,22 berichtet, wie Paulus und Barnabas Jünger lehren, daß sie “durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen” müssen. Wenn das Königreich Gottes schon zu Pfingsten begonnen hätte und wenn die “Jünger” in der Apostelgeschichte Teil des Königreichs waren, wie diese Studie lehrt, dann hätte Apg 14,22 keinen Sinn. Es wäre widersinnig anzudeuten, daß Mitglieder des Königreichs noch nicht in das Reich eingetreten wären.

Wie einige der Studien zieht auch die Reich Gottes-Studie eine feine Linie zwischen “äußerer Doktrin” und “innerer Doktrin.” Der Studienleiter mag vielleicht nicht in aller Offenheit “die Wahrheit” offenbaren, daß die ICC das Reich Gottes ist. Statt dessen wird vielleicht auf ähnlichkeiten zwischen der ICC und der in Apg 2,42-47 beschriebenen neutestamentlichen Kirche hingewiesen und damit angedeutet, daß ICC-Mitglieder “Bürger des Königreichs” sind (Ibid.). “Die Wahrheit” über die Behauptung der ICC, sie sei das Reich Gottes, mag erst nach und nach aufgedeckt werden – z.B. später wird in der Studie über Denominationalismus und Falsche Lehren der Anspruch erhoben, daß heute keine andere Kirche Teil des Reiches Gottes ist, und die Gemeinde-Studie wird “beweisen”, daß es nur eine Kirche geben kann.

Wenn die Reich Gottes-Studie erfolgreich verläuft, wird sie den Studenten überzeugen, die Gruppe (Königreich) über alle anderen Prioritäten im Leben zu setzen. Die unausgesprochene Gleichung Kirche = Reich Gottes wird auf Mt 6,25-33 (“Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes”) bezogen.

Trachte in allen Dingen deines Lebens, in allen Verpflichtungen, allen Sorgen, zuerst nach dem Reich Gottes. Das Königreich Gottes – seine Kirche – muß an erster Stelle stehen. Entweder ist es deine Priorität oder du bist Gott ungehorsam. (Studiennotizen eines ICC- Mitglieds, November 1994)

Eine falsche “Gleichung” wurde manipuliert, um Hingabe an die Gruppe zu bewirken. Austauschen von Wörtern kann natürlich spielerische Theologie erzeugen: probieren wir ein paar andere “Austauschvarianten” – indem wir das Wort “Königreich” mit dem Wort “Gemeinde” ersetzen – um darzustellen, wie diese Technik die Bedeutung von Bibeltexten verzerrt (ausgetauschtes Wort unterstrichen):

1 Kor 15,50: “Das sage ich aber, liebe Brüder, daß Fleisch und Blut die Gemeinde nicht ererben können.

Mt 8,11: “Ich aber sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob in der ICC zu Tisch sitzen.

Mt 11,11: “Unter allen, die von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten, der größer ist als Johannes der Täufer; der aber der Kleinste ist in der Boston Bewegung, ist größer als er.

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Sünde und Umkehr

Zitierte Bibelstellen: Jes 59,1-2; Röm 3,23; Jak 5,16; Gal 5,19-21; 2 Tim 3,1-5; Eph 5,3-7; Offb 21,8; Jak 4,17; Röm 6,23; Mk 9,42-50; Lk 13,1-5; Apg 26,20; 2 Kor 7,8-11

Die Sünde und Umkehr-Studie nimmt eine Reihe von verschiedenen Namen/Formen an: darunter verschiedene Sünde/Umkehr-Studien (Jacoby, 1990), Licht und Finsternis Teil 1 (McKean, 1993) oder Sünde & Erlösung.(7) Die Gemeinsamkeiten dieser Versionen sind, daß Sünde besprochen und definiert wird und vom Studenten wird erwartet, daß er seine relevanten Sünden vor dem Hintergrund der Studie ausführlich bekennt:

Betrachte die spezifischen Sünden. Definiere die Ausdrücke, wenn nötig. Besprich ausführlich Sünden wie sexuelle Unsittlichkeit (Ehebruch, voreheliche sexuelle Beziehungen, Homosexualität, Masturbation, Fantasien, Blutschande, Lust, Pornographie, Abtreibung, Kindesmißhandlung usw.), Gier, Bosheit, Täuschung, Unzucht, Liederlichkeit, Neid, Verleumdung usw. (Jacoby, 1990, S. 146)

Offensichtlich kann dieser Prozeß für den Studenten traumatisch sein, und die Studie verfolgt den Zweck, ihn zu dem Punkt der “göttlichen Reue” zu bringen (Equipping Class for Young Disciples, 1991). Meistens wird Jak 5,16 von der ICC zitiert, um ihre Praxis des Sündenbekenntnisses zu rechtfertigen (Ibid.):

“Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, daß ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.”

In Anbetracht der vorhergehenden Verse scheint dieser Text allerdings aus dem Zusammenhang gerissen worden zu sein. In Vers 14 und 15 scheint der Anlaß physische Heilung zu sein. “Ist jemand krank,… das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen.” In diesem Zusammenhang betrachtet, mag Jak 5,16 Sündenbekenntnis nur in Blick auf physische Heilung vorschlagen. Jak 5,16 allein scheint nicht zu befehlen, anderen alle Sünden zu bekennen, besonders wenn man bedenkt, daß im Neuen Testament kein anderer Vers ausdrücklich Bekenntnis der Sünden vor anderen Menschen erwähnt!

Interessant ist, daß nach dieser anfänglichen Studie gegenseitiges Bekennen im allgemeinen nicht betont wird. Sündenbekenntnis bewegt sich in der Jüngerschaftshierarchie von unten nach oben, indem Mitglieder ihre Sünden im allgemeinen den “über ihnen stehenden” Jüngerschaftspartnern (disciplers) bekennen. Warum ist das “Einander-Bekennen”, mit der gleichen buchstäblichen Auslegung von Jak 5,16, unter ICC-Mitgliedern nicht betont? Eine Theorie: Gegenseitiges Bekennen würde zu viele Schwächen in der Autoritätsfigur aufdecken, wodurch das Gleichgewicht der Macht von dem Lehrenden (discipler) weggeneigt werden könnte. Hierarchisches Bekenntnis vermehrt die Abhängigkeit von Gruppenautorität und dient dem Lehrenden (discipler) dazu, seine Machtposition zu erhalten.

Die Autorität der Kirchenleitung wird in der Sünde und Umkehr-Studie auch durch bestimmte Definitionen von Sünde bestärkt. Beachte einige Verhaltensweisen, die als Sünde aufgeführt werden:

Götzendienst: alles, das ich vor Gott stelle…was auch immer mich davon abhält, Gott in jeder Weise zu gehorchen und zu folgen…mein großes Bankkonto…mein eigenes Vergnügen, meine eigenen Wünsche…Stolz…

Streit: Unruhe, Uneinigkeit anzetteln…diskutieren

Selbstsüchtige Ambitionen: meine eigene Meinung vertreten wollen…nicht zugeben wollen, daß ich nicht Recht habe…

Zwietracht, Streit: …Auseinandersetzungen, Trennung verursachen, Diskussionen anfangen, Uneinigkeit anzetteln (First Principles, n.d.).

Indem in der Bibel erwähnte Sünden mit Ausdrücken, die für die Gruppe günstig sind, neu definiert werden, kann die ICC das Verhalten ihrer Bekehrten kontrollieren.

Bevor der Student die nächste Studie antritt, muß er seine Umkehr demonstrieren:

Wir haben schon vor einem verfrühten Studium der Taufe gewarnt. Wiederum ist es notwendig, daß du Bekehrung nur mit Menschen, die es mit ihrer Umkehr ernst nehmen, studierst. (Jacoby, 1990, S. 158)

Wenn du die Notwendigkeit ihrer Vergebung vor der Taufstudie bewiesen hast, wirst du die Taufe zu einer erfreulich einfachen Lösung machen, anstatt zu einer dogmatischen, technischen Eigentümlichkeit ‘deiner Kirche’. (Ibid., S. 123)

Wenn die Studie erfolgreich verläuft, wird sie einen Studenten hervorbringen, der einen gruppenbestimmten Maßstab von “göttlicher Reue” über sein Leben erreicht. Das System von Bekennen, das in dieser Studie vorgestellt wurde, wird zu einem effektiven Werkzeug werden, Kontrolle über Mitglieder zu erhalten.

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Licht und Finsternis

Zitierte Bibelstellen: 1 Petr 2,9-10; Jes 59,1-2; Röm 3,23; Eph 1,7-8; Röm 8,5-9; Apg 2,36-41; Röm 6,3-7; Kol 2,11-12; Hes 18,19-20 1 Petr 3,21

Die Licht und Finsternis-Studie gibt, ähnlich wie die Taufstudie (Jacoby, 1990), einen klaren überblick über die Ansichten der ICC von Taufe und Errettung. Die Licht und Finsternis-Studie definiert Taufe als den Augenblick der Erlösung (McKean, 1993). Der Student wird gefragt, ob er im “Licht” oder in der “Finsternis” ist. Ist die Studie erfolgreich, wird sie zeigen, daß der Student solange in der “Finsternis” ist, bis er in die Gruppe hineingetauft wird.

Der Studienleiter wird Bibelworte vorstellen, um die Lehre der ICC zu unterstützen, daß genau die Taufe der Augenblick der Erlösung ist (z.B. Apg 2,38; Röm 6,3-7; Kol 2,11-12; 1 Petr 3,21). Es wird hier nicht beabsichtigt, diese Lehre zu widerlegen – dieses Thema wurde an anderer Stelle ausführlich behandelt (Water Baptism and Salvation. . ., 1986). Aber weil die ICC-Tauflehre eine so zentrale Stellung in ihrem exklusiven Anspruch einnimmt, ist es nützlich, einige Bereiche zu untersuchen, wo die Tauflehre der ICC im Widerspruch zur biblischen Richtschnur steht.

  1. Das ICC-Evangelisationshandbuch der Shining Like Stars (Jacoby, 1990) nennt viele Gründe, ein “verfrühtes Studium” der Taufe zu vermeiden, einschließlich: Vermeiden der Abwendung von Rekruten, Verlängerung der Lebensdauer der Bekehrten, daß die “neutestamentliche Lehre der Taufe nicht logisch einleuchtend ist” (S. 155) und daß, “wenn die Person nicht Christ wird, er/sie nicht mit potentiell nachteiliger Information über die Gemeinde und ihre Glaubensgrundsätze weggeht” (S. 190). In der ICC ist das “verfrühte Studium” der Taufe etwas, das man vermeiden soll. Im Vergleich dazu wurden in Apg 2 nach einer einzigen Predigt 3000 Menschen getauft! Die meisten neutestamentlichen Bekehrungsgeschichten geschahen an einem einzigen Tag (Apg 2; Apg 8,26-38; Apg 10,24-48; Apg 16,25-34)

  1. Taufe kann verweigert werden, wenn jemand noch nicht bereit ist (Ibid.). Die Absicht ist, eine dauerhafte Bekehrung hervorzubringen. Aber in der Praxis wird die Taufe vorenthalten, bis der einzelne mit den wichtigen Punkten der ICC-Doktrin und -Praktiken völlig einverstanden sind. Es gibt keinen biblischen Präzedenzfall, wo kirchliche Autorität eingesetzt wurde, eine Taufe vorzuenthalten. In der Tat hat der Apostel Petrus einmal gesagt: “Kann auch jemand denen das Wasser zur Taufe Taufe verwehren …?” (Apg 10,47). Man könnte argumentieren, wenn ein Apostel diese Autorität nicht beanspruchen kann, wer dann?

  1. Wiedertaufe ist in der ICC gang und gäbe. Das einzige neutestamentliche Beispiel der Wiedertaufe ist Apg 19,1-5, wo “Jünger” wiedergetauft wurden, weil ihnen die Bedeutung und vielleicht sogar die Existenz Christi unbekannt gewesen ist. Im Gegensatz dazu kannte Apollos nur die Taufe des Johannes (Apg 18, 24-26), aber eine Wiederbekehrung oder Wiedertaufe wird hier nicht erwähnt.

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Die Kreuz-Studie

Zitierte Bibelstellen: Mt 26,31-75; 27,1-50; Jes. 59,1-2; 2 Kor 5, 21; Joh 3,16; 12,47; 1 Joh 1,5-10; 2,1-6

Der Zweck der Kreuz-Studie wird folgendermaßen dargelegt: “Den Studierenden über Gottes Lösungen für unsere Sünde zu informieren und den Leser zu motivieren, Gott zu lieben” (First Principles, n.d.). Wenn dieses Ziel auch erhaben genug klingt, beweist eine Untersuchung der Kreuz- Studie, daß es Probleme im Schwerpunkt und in der Lehrmethode dieser Studie gibt.

Der nicht dargelegte Zweck dieser Studie scheint zu sein, im Studenten einen Zustand starker emotionaler Reue als Vorbereitung für seine Bekehrung zu erzeugen. Das Ziel ist es, einen Rekruten zu erzeugen, der “gebrochen” oder “bis ins Herz geschnitten” ist. Eine Ausgabe von First Principles zeigt, daß die Kreuz-Studie nur dann wie gewünscht fortgesetzt wird, wenn der Student folgendermaßen empfindet: “Wenn geschnitten wird, fein; wenn nicht, dann ist etwas verkehrt” (Ibid.). Offensichtlich hat das Studium nicht die beabsichtigten Resultate hervorgebracht, wenn der Student von der Kreuz-Studie nicht gefühlsmäßig bewegt ist.

Studienleiter ergänzen kennzeichnenderweise biblische Passionstexte mit medizinischen Schriftstücken über die Kreuzigung, meistens mit der von C. Truman Davis verfaßten The Passion of Christ from a Medical Point of View (McKean, 1993). Obwohl medizinische Perspektiven von einer Kreuzigung vielleicht Einsicht in das Leiden Christi gewähren könnten, die Nebeneinanderstellung von Bibelversen und medizinischen Zeitschriftenauszügen in dieser Studie verschärft die Geschichte der Kreuzigung extrem.

Die Kreuz-Studie in Shining Like Stars beinhaltet sogar Einzelheiten über die Nägel: “…Nägel sind durch die Handgelenke Jesu bis ins Holz getrieben worden. Diese etwa 15 cm langen und 1 cm dicken eiseneren Bolzen durchtrennten den großen sensomotorischen Nerv, wodurch folternde Schmerzen in beiden Armen verursacht wurden” (Jacoby, 1990, S. 152). Studienaufzeichnungen eines ICC-Mitglieds (n.d.) können diese Betonung der Dramatisierung der Leiden Christi veranschaulichen: Der Text “Sie zogen ihn aus” wird zu “Sie rissen ihm die Kleider herunter”. “Sie spieen ihn an” wird zu “Der Speichel von 200 Männern”. “Flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf das Haupt” wird zu “mit Gewalt in den Skalp hineingedrückt”.

Indem der Studienleiter die emotionalen Aspekte der Kreuzigungsgeschichte in den Mittelpunkt stellt, kann es sein, daß er traurige fiktive Geschichten dazu erzählt: In der ICC-Bewegung zirkuliert die Geschichte von einer Eisenbahn, wo ein Mann Weichensteller ist. Sein Sohn läuft aufs Geleise hinaus direkt vor einen Zug voller Passagiere. Anstatt die Weiche anders zu stellen und die Passagiere dadurch zu töten, läßt er seinen einzigen Sohn sterben.(8) Solche Geschichten sind mehr als einsichtig; sie können angewandt werden, um die Emotionen des Studenten willentlich zu manipulieren.(9)

Wenn die Kreuz-Studie der Sünde und Umkehr-Studie folgt, kann es auch persönlich ausgedrückt werden, um die eigenen Sünden des Studenten einzuschließen: “Mach dir bewußt, daß Jesus wegen deiner/m (Unsittlichkeit, Alkoholismus, Haß, Bitterkeit) gelitten hat und gestorben ist” (First Principles, n.d.). Zusätzlich zu dem Bemühen, den Studenten zu ermutigen, “Gott zu lieben”, ist es auch offensichtlich, daß die Studie eine leistungsorientierte Mentalität begünstigen kann, worin der Rekrut motiviert wird, Jesus etwas zurückzuzahlen, indem er den Interessen der Gruppe dient:

  • Gottes Vergebung motivierte (Paulus), übermäßig schwer für den Herrn zu arbeiten.
  • Hast du jetzt ein klares Bild?
  • Was ist deine Antwort? (Harte Arbeit?)
  • Was meinst du, solltest du jetzt tun? (Equipping Class for Young Disciples, 1991)

Andere theologische Bedenken bestehen darin, daß in der Kreuz-Studie die Kreuzigung auf Kosten der Auferstehung betont wird. Die Betonung liegt auf der physischen Folter Christi. Für viele Christen gehört zur Geschichte “des Kreuzes” die Kreuzigung und die Auferstehung.

Wenn die Studie erfolgreich verläuft, wird sie einen Rekruten hervorbringen, der “bis ins Herz geschnitten” (Ibid.) ist, was offenbar auf Apg 2,37 zurückzuführen ist: “Als sie aber das hörten, ging´s ihnen durchs Herz, und sprachen zu Petrus…Was sollen wir tun?” Die Antwort des Petrus auf diese Frage in Apg 2 lautet: nehmt die Gabe des Heils und die Vergebung der Sünden an.

Im Gegensatz dazu ist ein ICC-Rekrut, der durch die Kreuz-Studie “bis ins Herz geschnitten” ist, noch nicht bereit, Vergebung zu empfangen und Mitglied (Jünger) der Kirche zu sein, bis er sich weitere Studien einverleibt hat.

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Denominationalismus und Falsche Lehren

Zitierte Bibelstellen: Joh 17,20-21; 1 Kor 1,10-13; 1 Tim 3,1-12; 4,1-3; 4,15-16; 2 Tim 4,1-5; Röm 16,16; Kol 1,18; Mt 7,21; Eph 4,4-6; Hebr 13,7; Röm 3,23; Röm 6,4-6; 1 Kor 1,17; Apg 22,16; Kol 2,12; Joh 8,31-32; Apg 16,31; Offb 3,20; Röm 10,9-10

Diese Studie existiert in mehreren verschiedenen Formen, einschließlich Licht und Finsternis Teil 2, (McKean, 1993); Denominationalismus (Equipping Class for Young Disciples, 1991) und Falsche Lehren über Bekehrung (Jacoby, 1990). Das Hauptziel dieser Studie ist es zu zeigen, daß alle (anderen) christlichen Denominationen untauglich sind und schuldig sind, eine falsche Doktrin zu lehren. Es ist beabsichtigt, diese Studie “nur mit jemandem, der weiß, daß er vor Gott verloren ist, durchzuführen” (Equipping Class for Young Disciples, 1991).

Die ICC definiert eine Denomination als “eine Gruppe eines Namens” und sagt, daß Denominationen “unbiblisch” sind (McKean, 1993, S. 27). Ironischerweise kann man die starke Behauptung machen, daß die ICC selbst eine Denomination ist: Webster`s New Collegiate Dictionary (1981) definiert eine “Denomination” als “eine religiöse Organisation, die in einer einzigen legalen und administrativen Körperschaft eine Anzahl lokaler Gemeinden vereinigt”. In allen Aspekten trifft dies auf die ICC zu.(10)

Indem man die Schriftstellen, die für diese Studie gewählt wurden, betrachtet, können wir erkennen, wie die Studie “Denominationalismus und Falsche Lehren” die Absicht verfolgt, die ICC als die einzig legitime christliche Gruppe zu offenbaren.(11) Gemäß dieser Studie werden folgende religiöse Gruppen beschuldigt, falsche Lehren zu verbreiten: Katholiken, Methodisten, Presbyterianer, Episkopale, Russisch Orthodoxe, Griechisch Orthodoxe, Baptisten, Pfingstgemeinden, Bekehrte von Fernsehsendungen, Campus für Christus, Navigatoren, Die Brücke, Mormonen, Zeugen Jehovas, Moslems, Buddhisten und Hinduisten (Equipping Class for Young Disciples, 1991).

Nachdem der Studienleiter eine Liste der wahrgenommenen falschen Lehren in der heutigen Welt zusammengefaßt hat, mag er vielleicht abschließen, daß “wir von keinen anderen Gruppen wissen, die die Bibel lehren und befolgen” (Ibid.). ICC-Leiter Kip McKean spricht auch sehr klar über den geistlichen Zustand der Welt außerhalb der ICC:

Wenn du predigst, wer wirklich errettet ist: daß du Glauben haben mußt, bereuen mußt, ein wahrer Jünger Jesu werden mußt, und dann die Wassertaufe erleben mußt… das schließt alle anderen Denominationen aus,… alle anderen, die da draußen sind. (McKean, 1995)

Indem diese Studie die Lehren anderer religiöser Gruppen systematisch kritisch beurteilt und in Mißkredit bringt, ist sie darin wirkungsvoll, daß der Student ermutigt wird, die Gruppe als alleinige Quelle der Wahrheit zu betrachten. Irgendeine potentielle zukünftige Einflußnahme von geistlichen Unterstützungssystemen außerhalb der ICC (Klerus, religiöses Familienmitglied oder Freunde usw.) wird so auf das kleinste Maß minimiert. Wenn das frühere Glaubenssystem des Studenten widerlegt und unbrauchbar gemacht wurde, kann es mit dem der Gruppe ersetzt werden.

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Der Heilige Geist

Zitierte Bibelstellen: Joh 3,34-36; Apg 2,38; Apg.2,1-4; 10,1-48; 11,1-18; Eph 4,4-6; Apg 19,1-5; Mt 28,18-20; Mk.16,17; Apg 13,3; Apg 28,8; Apg 9,17-18; Apg 6,1-8; Apg 8,9-25; 1 Kor 13,8-13; 2 Thess 2,9-12

Diese Studie scheint ein Versuch zu sein, die Kernfragen der charismatischen Christenheit und Lehrfragen, die den Heiligen Geist betreffen, zu behandeln. Als solcher wird sie meistens für Studenten aus Pfingstrichtungen oder anderen charismatischen Hintergründen reserviert. Andere Rekruten werden dieser Studie – wenn überhaupt – wahrscheinlich nach der Bekehrung begegnen. Weil sie eine Studie der freien Wahl ist, wird sie nur flüchtig diskutiert. Manchmal wird die Studie in zwei getrennte Studien geteilt, Taufe mit dem Heiligen Geist und übernatürliche Gaben des Heiligen Geistes (McKean, 1993).

Wie Denominationalismus/Falsche Lehren ist diese Studie ein Versuch, die wahrgenommenen falschen Lehren in anderen religiösen Gruppen zu widerlegen, während sie gleichzeitig die ICC-Lehre über Fragen des Heiligen Geistes erklärt und festigt.

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Die Gemeinde-Studie

Zitierte Bibelstellen: Kol 1,15-18; Eph 2,19-22; 4,4-6; Röm 12,4-5; 1 Kor 1,10-13; 12,12-26; 16,1-2; Hebr 10,23-25; 13,17; Mt 28,18-20; 2 Kor 9,6-8; Mt 18,15-17; Tit 3,9-11; Apg 2,36-47

Die Gemeinde-Studie definiert die Gemeinde (Kirche) als den Leib Christi und diskutiert die Rolle des Studenten als ein Glied “des Leibes” (ICC).

Im allgemeinen wird der Studienleiter anfangen, indem er ein “Strichmännchen” zeichnet, wodurch angedeutet wird, daß Christus das “Haupt” des “Leibes” ist und daß der “Leib” die “Gemeinde” ist (McKean, 1993). Dann, nachdem er Schriftstellen, die von “einem Leib” sprechen, gelesen hat, kann der Studienleiter vielleicht den Schluß ziehen, daß “die Bibel lehrt, daß es eine wahre Kirche gibt” (First Principles, n.d.). Diese Schlußfolgerung resultiert aus einer subtilen “Verdrehung” der Schrift. Der implizite “Beweis” würde so aufgebaut werden:

  1. Kol 1,15-18 sagt aus, daß die Gemeinde der Leib Christi ist.
  2. Daher Gemeinde = Leib
  3. Eph 4,4-6 und Röm 12,4-5 sagen, daß es einen Leib gibt.
  4. Daher kann es nur eine Kirche geben.(12)

Diese Art von Wortersetzen kann unlogische Schlüsse hervorbringen. Indem man verbale Feststellungen (x ist y) zu Gleichungen (x = y) macht, können fehlerhafte Logik und fragwürdige Theologie daraus resultieren. Hier ein Beispiel von einem ähnlichen, klassischen falschen “Beweis”:

Gott ist Liebe.
Liebe ist blind.
Ray Charles ist blind.
Daher ist Ray Charles Gott.

Die Folgerung, daß “die Bibel lehrt, daß es nur eine wahre Gemeinde/Kirche gibt” ist besonders rätselhaft, wenn man bedenkt, daß die Phrasen “eine wahre Kirche”, “wahre Kirche” oder sogar “eine Kirche” in der Bibel nicht erscheinen!

Das Wort “Kirche”, wie es die ICC verwendet, bekommt eine organisatorische Betonung (das heißt, eine Betonung auf eine spezifische Gruppe von Menschen), die unvereinbar mit dem Neuen Testament ist. Dem Studenten ist vielleicht in einer früheren Studie gesagt worden, das griechische Wort für “Kirche” ekklesia bedeutet “die herausgerufenen Menschen, die einer bestimmten Absicht angehören (Equipping Class for Young Disciples, 1991). Aber die Gemeinde-Studie und die Reich Gottes-Studie versuchen, die Kirche/ekklesia mit einer Organisation (ICC) gleichzustellen. Beachte, daß die Definition von ekklesia nicht organisationsspezifisch ist. “Die Kirche”, von der im Neuen Testament gesprochen wird, ist ein Verweis auf alle Gläubigen, wo sie auch sein mögen.

Indem die ICC lehrt, daß sie selber “die Kirche”/Leib Christi ist, wird diese Studie Erfolg haben, die Hingabe des Studenten an die Organisation festzumachen. Es wird dem Studenten gesagt, daß er “allen Versammlungen beiwohnen muß, d.h. Sonntag, Mittwoch, Andachten, Bibelgruppen, Freizeiten, Seminare usw. (McKean, 1993, S. 27). Diese Regel resultiert aus einer fragwürdigen Auslegung von Hebr 10,23-25. Dieser Text “nicht verlassen unsre Versammlungen, wie es einige zu tun pflegen” ist erweitert ausgelegt: “Versäume keine Versammlung der Kirche” (First Principles, n.d.). Offensichtlich gibt es einen Unterschied zwischen “Versammlungen verlassen” und “keine Versammlung verpassen”.

Einige Versionen der Gemeinde-Studie können zusätzliche innere Lehren über “die Gemeinde” beinhalten (First Principles, n.d.):

Gehorche den Leitern in der Gemeinde… jedes Mitglied der Gemeinde sollte eine belehrbare, lenkbare Person sein. . .

Wenn keine Veränderung oder Reue vorhanden ist und du trotzdem in der Gemeinschaft bleiben willst, dann werden wir von dir Abstand nehmen und dich nicht länger als Mitglied betrachten…

…negativ über die Gemeinde oder über die Gemeindeleiter mit anderen Mitgliedern zu reden, ist Sünde und wird nicht gestattet. . .

Schlußfolgerung: Bist du begierig in der Gemeinde des Herrn zu sein?

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Die Kosten Überschlagen

“Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen?”(Lk 14,28)

Der Ausdruck “die Kosten Überschlagen” stammt aus der Schriftstelle, wo Jesus sagte, daß man die Kosten der Nachfolge abschätzen soll.(13) Die Studie “Die Kosten überschlagen” scheint ein komplizierterer Prozeß zu sein, in dem die Studenten eingeschätzt werden um festzustellen, ob sie bereit sind, der ICC beizutreten.

Zitate von der Studie “Die Kosten Überschlagen” in Shining Like Stars (Jacoby, 1990, S. 232-236) zeigen, daß Studenten in viel mehr Bereichen als nur in ihrer Bereitschaft, Jesus zu folgen, beurteilt werden:

Einschätzung der Einstellung des Studenten zur ICC

“Was ist deiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen unserer Gemeinde und anderen Gruppen?”

“Standpunkt beziehen gegenüber Familie und Freunden. . .Versteht er, daß sie verloren sind?”

“Frag ihn, ob er andere wahre Christen kennt (z.B. in seiner früheren Kirche, zu Hause, in seinem Land, in der Arbeit, Familie…)”

Einschätzen, ob der Student die ICC-Lehre der vorher gelehrten Studienserie akzeptiert hat.

“Frage nach der falschen Doktrin, ‘Jesus in das Herz zu beten’.”

“Evangelisation ist für jeden Christen.”

“Vergewissere dich, daß er versteht, daß es nicht Gottes Willen entspricht, wenn er irgendeine andere Kirche besucht.”

Vorbereitung des Studenten auf negative Reaktionen auf seine ICC-Mitgliedschaft.

“Vergewissere dich, daß er versteht, daß Verfolgung als unausweichbares Ergebnis auf die Predigt von Reue folgt.”

“Frage ihn, wie er reagieren würde, wenn sie (Familie und Freunde) sich gegen ihn stellen würden?”

Die Zustimmung des Studenten zu ICC-Regeln gewinnen.

“Alle Versammlungen besuchen.”

“Finanzen….Es wird erwartet, daß alle Christen die Arbeit der Gemeinde unterstützen.”(14)

“Vergewissere dich, daß er weiß, wer ihn bejüngern (discipling) wird. ”

“Betone die Notwendigkeit, offen für Ratschläge zu sein.”

“Da wir nur Jünger heiraten können…ist es klar, daß wir nur mit Jüngern” (ICC-Mitgliedern) “Verabredungen haben.”

Im Gegensatz zum biblischen Modell von “Kosten überschlagen”, scheint diese Studie den Schwerpunkt darauf zu legen, die Aneignung der ICC-Lehren des Studenten abzuschätzen, weitere Konsequenzen eines Beitritts zur Gruppe aufzudecken und eine endgültige Zustimmung, daß der Rekrut den Konditionen der Mitgliedschaft nachkommen wird, zu gewinnen. Der Student muß dem ganzen Paket zustimmen, bevor er Mitglied werden kann.

Bis zum Schluß der Studienserie glauben viele Rekruten, wenn nicht die meisten, daß sie verloren sind/zur Hölle gehen werden, es sei denn, sie lassen sich taufen. Hierin liegt das Potential für ein ethisch fragwürdiges Szenario, in dem die Studienleiter den Rekruten, die sich nicht völlig dem Programm unterworfen haben, das “Heil” vorenthalten können. Das Potential für übertriebenen Einfluß auf den Entscheidungsprozeß des Studenten ist augenscheinlich.

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Schlußfolgerung

Ein Funktioneller Überblick Über die Studienserie

Mit dem folgenden wird keine Zusammenfassung des gesamten Inhalts jeder Studie beabsichtigt, sondern ein überblick über die manipulative Rolle jeder Studie in der Serie.

Die Wort-Studie: Führt auf indirekte Weise zu einer Verpflichtung, die Auslegung der Wahrheit im Sinne der Gruppe zu akzeptieren.

Jüngerschafts-Studie: Beweist, daß der Student das Heil, wie die Gruppe es definiert, nötig hat.

Reich Gottes-Studie: Zeigt, daß die Gruppe das Königreich Gottes ist. überzeugt den Studenten, die Gruppe (Königreich) über alle andere Prioritäten zu setzen.

Sünde und Umkehr: Im Studenten wird Schuld über vergangene Taten herbeigeführt. Führt ein System von Bekennen ein, das ein effektives Werkzeug werden wird, Kontrolle über den Bekehrten zu erhalten.

Licht und Finsternis: Offenbart ein religiöses Ritual, das das Geheimnis des Heils ist. Zeigt den Studenten, daß sie “in der Finsternis” sind, bis sie in die Gruppe hineingetauft werden.

Das Kreuz-Studie: Versucht in systematischer Weise, einen emotional “gebrochenen” Rekruten hervorzubringen.

Denominationalismus und Falsche Lehren: Beweist, daß alle anderen religiösen Gruppen untauglich sind. Bringt jede Glaubenslehre in Miskredit, die von anderen (untauglichen) religiösen Gruppen angenommen wird.

Heiliger Geist: Widerlegt als falsch wahrgenommene Lehren anderer religiöser Gruppen, während gleichzeitig die Positionen der ICC erklärt und bekräftigt werden.

Die Gemeinde: Bekräftigt die Hingabe des Studenten an die Organisation (Gemeinde).

Die Kosten überschlagen: Offenbart mehr Konsequenzen der Gruppenzugehörigkeit. Führt eine endgültige Bejahung herbei, daß der Rekrut den Konditionen der Mitgliedschaft entsprechen wird. Das “Heil” wird denen vorenthalten, die diesen Konditionen nicht zustimmen.

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Zunehmende Offenlegung

Anfängliche Studien haben relativ harmlose Themen zum Inhalt, aber mit dem Fortschreiten der Serie, werden mehr strittige Glaubenslehren der Gruppe enthüllt. Der Student, der die “angemessene” Antwort auf die Wort-Studie gibt (“Ich nehme das Wort als Maßstab”), darf mit der nächsten Studie fortsetzen. Ein Rekrut, der die “angemessene” Antwort auf die Jüngerschafts-Studie gibt (“Ich möchte ein Jünger sein”), darf zur Reich Gottes-Studie fortschreiten, die ihm sagt, daß die ICC das Königreich Gottes ist. Der Student, der die Auslegung der Gruppe bezüglich der Taufe akzeptiert, darf zur Studie “Kosten überschlagen” fortschreiten usw. Die ICC hält Gruppen-“Wahrheiten” zurück, die einem Rekruten nur dann vorgestellt werden, wenn er in der Studienserie weit genug fortgeschritten ist. “Die Wahrheit” wird Stück für Stück ausgeteilt, je nach dem was der Student “bereit ist zu wissen”.

Aber wenn “Wahrheit” wirklich “Wahrheit” ist, dann sollte sie so bleiben, egal in welcher Reihenfolge wir sie bringen. Würde die ICC die Reihenfolge der Studien umkehren, am Anfang den Studenten über die Regeln und Konditionen der Mitgliedschaft (Kosten überschlagen) informieren, ihm dann sagen, daß alle Christen, die sich nicht zur ICC bekennen, in die Hölle kommen werden (Denominationalismus und Falsche Lehren), und vielleicht mit einer relativ harmlosen Studie über die Autorität der Bibel (Wort-Studie) schließen, dann könnten die Resultate anders aussehen. Offensichtlich wäre die Serie nicht so effektiv.

Die ICC mag vielleicht versuchen, zunehmende Offenlegung zu rechtfertigen, indem sie eine Art “Student in der Schule”-Analogie benutzt, wo der Student Algebra vor Trigonometrie und Trigonometrie vor Differentialrechnung usw. verstehen muß (Clayton, 1996). Aber diese Analogie fällt an einer sehr bezeichnenden Front: Die abgestufte Natur der ICC-Studienserie basiert nicht auf einem intellektuellen Verstehen jeder Ebene/Studie, sondern vielmehr auf Zustimmung (Ibid.). Der Ausspruch “Ich bin verloren” erfordert keine weitschweifige Abhandlung, damit man ihn versteht, aber sie könnte erforderlich sein, um jemanden zu bewegen, seine Zustimmung dazu zu geben.

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Verdrehung der Schrift

Man kann die Auslegung der Heiligen Schrift auf zweierlei Weise angehen: exegesis (den Text untersuchen, um seine wahrscheinlichste Bedeutung zu finden) und eisegesis (eigenes Glaubensgut in den Text hineinlesen). Oft scheint es, daß die Texte, die für die ICC-Studien ausgewählt worden sind, so angeordnet sind, daß sie eine zuvor festgelegte Ansicht unterstützen. Die Bedeutungen der Passagen wurden verdreht, um Auslegungen zu erreichen, die für die Gruppe günstig sind.

Verdrehung der Schrift ist durch die stark strukturierte Natur der ICC-Studienserie begünstigt. Studienleiter sind durch “Ausrüstungsklassen”, Bücher usw. gut trainiert, um eine sorgfältig abgestimmte Aufeinanderfolge von Schriften und Analogien zu präsentieren. Die entscheidenden Lehren der ICC-Studien (wenigstens diejenigen, in denen die ICC von den wichtigsten religiösen Gruppen abweicht) werden nicht durch die Heilige Schrift zusammengehalten, sondern von durch Menschen erdachten Analogien, Diagrammen und zweifelhaften Gleichungen. Wenn man einem Studenten nur eine Liste der Bibelstellen einer ICC-Studie geben würde mit der Auflage, diese gründlich zu studieren und seine eigenen Schlußfolgerungen zu formulieren, würde er wahrscheinlich zu vollkommen anderen Aussagen gelangen.

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Manipulation der Gefühle

Studien wie Sünde und Umkehr, Das Kreuz und Licht und Finsternis können Schuldgefühle oder Angst in dem Studenten hervorrufen. Die Gruppe kann dies rationalisieren, indem sie auf biblische Präzedenzfälle hinweist, wo sich Menschen wegen ihrer Taten schuldig gefühlt haben (z.B. Kreuz-Studie und Apg 2,37). Aber es besteht ein großer Unterschied, ob eine Person aus eigenem Antrieb Reue verspürt oder ob Reue systematisch in einer Person erzeugt wird, bis sie den Gruppenmaßstab “göttlicher Reue” erreicht hat. Letzteres kann als eine Form von ungebührender Beeinflussung betrachtet werden.

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Gruppendruck

Mehrere Praktiken verdeutlichen, daß während der Zeit des Studiums Gruppendruck ausgeübt wird. Idealerweise wird jede Studie in der Serie von mindestens zwei ICC-Mitgliedern gelehrt (Jacoby, 1990). Wenn zwei Rekruten gleichzeitig zu studieren beginnen, werden sie wahrscheinlich getrennt in zwei separate Studiengruppen eingeteilt. Wenn möglich, werden Studenten mit Gruppenmitgliedern in ähnlichem Alter, mit ähnlichen Interessen usw. gepaart.

ICC Mitglieder sind gelehrt worden, daß der erste Schritt, um “Menschen für Christus zu gewinnen”, darin besteht, “eine gute Freundschaft zu bauen” (McKean, 1993, S. 5), und es wird viel Wert darauf gelegt, “der beste Freund” von StudienkollegInnen zu werden. In einem Abschnitt über Evangelisation wird in Shining Like Stars auf den Wert der Freundschaft im Hinblick auf die Beeinflussung von Entscheidungsprozessen hingewiesen:

Es ist erstaunlich, wenn man bedenkt, daß du jemanden innerhalb von einigen Monaten oder Wochen, nachdem du ihn/sie kennengelernt hast, herausfordern wirst, das Rauchen, Trinken oder Unsittlichkeit aufzugeben, seinen/ihren Beruf, Zeiteinteilung oder Reisepläne zu verändern. Du wirst ihn/sie herausfordern, die religiösen überzeugungen seiner/ihrer Familie zu verlassen, egal wie ernstlich und aufrichtig sie sind. Das sind sehr schwerwiegende Entscheidungen… Wir müssen die besten Freunde dieser Menschen sein, damit wir sie ermutigen und überzeugen können, diese Art von Entscheidungen zu treffen. (Jacoby, 1990, S.66)

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Geistlicher Umbruch

Die früheren religiösen überzeugungen des Studenten werden allmählich abgebaut und zum Schluß mit den überzeugungen der Gruppe ersetzt. Der Umbruch beginnt in der Wort-Studie, wo dem Studenten gesagt wird, daß religiöse Traditionen (auch die des Studenten) wertlos sein können.

In der Fortsetzung der Serie können grundlegende Elemente des Glaubenssystems des Studenten neu definiert werden (z.B. der Ausdruck “Christ” wird umdefiniert: Jünger = Christ = errettet). Am Ende der Studienserie sind die unannehmbaren überzeugungen des Studenten

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Manipulierte Zustimmung

Jede Studie in der Serie fordert die Zustimmung des Studenten zu einer Reihe von Konzepten oder Herausforderungen. Die Techniken, die gebraucht werden, um diese Zustimmung zu erreichen, schließen die Verdrehung des Textes, logisch unklare Argumente, vereinfachte theologische “Gleichungen”, Gruppendruck, Manipulation der Gefühle und zum Schluß das Aufstellen der Gruppe (ICC) als alleinigen Besitzer der Wahrheit mit ein, sodaß der Student gezwungen ist, mit den Lehren der Gruppe einverstanden zu sein, um das “Heil” zu erlangen. Ungeachtet irgendwelcher guter Absichten des Studienleiters, ist die Struktur der Studien an sich manipulativ.

Wenn wir die Studienserie als Ganzes betrachten, bekommt unsere Auffassung von manipulierter Zustimmung neue Dimensionen. Zu Beginn der Serie geht der Student kleine Verpflichtungen ein, zu einer Zeit, wo er unmöglich die Bedeutung seiner Verpflichtungen erkennen kann. Umfassende Herausforderungen wie “Willst du die Bibel als Maßstab anerkennen?” oder “Willst du ein Jünger Jesu sein?” führen mit der Zeit zu spezifischen Verpflichtungen gegenüber der Organisation. Die Zustimmung des Studenten zu diesen Herausforderungen birgt Folgen in sich, die der Student nicht voraussehen kann. Beim Fortschreiten der Serie werden für ihn Worte wie “Jünger” und “Reich Gottes” neu definiert, sodaß die äußere Doktrin, die er als Außenstehender ursprünglich wahrgenommen hat, zur inneren Doktrin mit neuen Konsequenzen wird. Indem der Fluß von Information gelenkt wird, manipuliert die Gruppe die Fähigkeit des Studenten zur freiwilligen Zustimmung.

Wenn der Student die letzten Studien erreicht, werden die Verpflichtungen, die von ihm verlangt werden, zunehmend spezifisch. Zuletzt wird der Rekrut gebeten, seine Zustimmung zu einem vollständigen Paket von Lehren und Erwartungen zu geben. Nach einer langsamen, systematischen Einengung der Möglichkeiten für den Studenten besteht seine einzig akzeptable Wahl darin, Mitglied der Gruppe zu werden.

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Fußnoten

(1) Es ist zu beachten, daß sehr viel lehrmäßige überschneidung zwischen der ICC und der Hauptgruppe der Churches of Christ, aus der die ICC entstanden ist, vorhanden ist. Tatsächlich ist vieles, das in den Studienserien gelehrt wird, einfach die alte Doktrin der Church of Christ, die zu einer neuen, extremen Gestalt gefestigt, kodifiziert und vergrößert wurde.

(2) Als Beispiel nehmen wir den Satz “Bill wurde zum ersten Mal im Sommerlager ‘Scuzzy’ genannt”. Wenn jemand versuchen würde, eine tiefere Bedeutung in dem Satz zu finden, hätte er die Pointe verpaßt: Es wäre ein Irrtum zu schließen: “Jemand muß den Namen ‘Bill’ haben, um ‘Scuzzy’ genannt zu werden”, oder umgekehrt. Der ganze Zweck des Satzes war es zu sagen, wo Bill seinen Spitznamen bekam.

(3) Natürlich kommen die Worte “discipler” (Jüngerschaftspartner) oder “discipled” (“bejüngern”, “im Glauben belehren”) in der Bibel nicht vor. Die ICC mag “discipling” mit Argumenten wie “Gott ‘discipled’ Jesus”, “Barnabas ‘discipled’ Paulus” usw. verteidigen. Aber mehrere Bekehrungsgeschichten im Neuen Testament einschließlich Apg 2,41; Apg 8,34-40 und Gal 1,15-24 beschreiben Situationen, in denen die Bestimmung von Jüngerschaftspartnern bei der Bekehrung praktisch unmöglich gewesen wären. Außerdem wären Ereignisse, wie sie in Apg 15,36-41, Gal 2,11-14 und Apg 15,1-5 geschildert werden, in einer ICC-artigen Jüngerschafts-Hierarchie höchst unwahrscheinlich gewesen.

(4) Man sollte beachten, daß der “Große Auftrag” den elf Aposteln (siehe Vers 16), die eine besondere Gruppe von “Jüngern” waren, gegeben wurde.

(5) Zu betrachten ist die Parallelaussage, “Mache Speiseeis in allen Geschmacksrichtungen… friere es ein.” Die Reihenfolge der Worte in dieser Aussage deutet nicht an, daß Eis gemacht werden soll, bevor man es einfriert – in der Tat, das wäre unmöglich. Man kann nicht Eis “machen”, ohne es einzufrieren.

(6) Ironischerweise ist die “Taufe von Jüngern” vielleicht das grundlegendste Unterscheidungsmerkmal der ICC- Doktrin. Diese Lehre ist von der ICC-Leiterschaft zu einer Zeit eingeführt worden, als die Bewegung noch in Gemeinschaft mit der Hauptlinie der Churches of Christ stand. Die Einführung dieser neuen Lehre sonderte die ICC-Lehre über Errettung von der übrigen christlichen Welt ab.

(7) Die Gemeinde, in der der Autor an dieser Studie teilgenommen hatte, nannte diese Studie Sünde & Erlösung, aber trotz dieser Bezeichnung gab es in der Studie keine “Erlösung”. Sogar nach mehreren Bibelstudien und dem Bekennen der Sünden ist der Student noch nicht “bereit” für Vergebung – der bereuende Student muß die Studie “Kosten überschlagen” und vielleicht andere Studien erfolgreich beenden, bevor die Erlösung in der Form einer ICC- Taufe erteilt werden kann. Dem Autor ist eingefallen, daß, wenn es keine Erlösung von Sünde geben soll, der Name Sünde und Bekenntnis für diese Studie angemessener wäre.

(8) Eine Version dieser Geschichte erscheint in Shining Like Stars (Jacoby, 1990, S. 149).

(9) Eine der Schriftstellen, die in der ICC oft zitiert wird, deutet an, daß das Wort Gottes allein genüge, eine Seele zu überführen: “Das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens” (Hebr 4,12 ). Wenn das Wort (Bibel) wirklich genügt, könnte man fragen, warum die ICC medizinische Artikel und Erzählungen braucht, um ihre Studenten zu “überführen”. Der Schwerpunkt der Kreuz-Studie, systematisch einen “gebrochenen” Studenten hervorzubringen, scheint dem Ziel einer gesunden religiösen Gruppe entgegen zu stehen.

(10) Eine Standardverteidigung der ICC, nicht als Denomination bezeichnet zu werden, würde darin bestehen, Röm 16,16 zu zitieren: “Es grüßen euch die Gemeinden Christi” (engl. churches of Christ). Die Stelle wird so ausgelegt, daß “churches of Christ” (Gemeinden Christi) ein biblischer Name ist und dieser Name oder “Denomination” daher nicht von Menschen erschaffen wurde. Allerdings ist bedeutungsvoll, daß Paulus ein kleines “c” (im Englischen) gebraucht: Er wollte wahrscheinlich einen allgemeinen Bezug zu den Gemeinden herstellen, anstatt zu erläutern, welche Gemeindenamen akzeptabel sind. – Die Betonung des Paulus scheint eher inklusiv als exklusiv zu sein. Zu bedenken ist außerdem, daß die Gläubigen des ersten Jahrhunderts an anderen Stellen des Neuen Testaments “Gemeinde Gottes”, “Gemeinde des lebendigen Gottes”, “Gemeinde der Erstgeborenen” und “Gemeinde der Heiligen” genannt werden. Man könnte überlegen, ob die ICC eine Kirche mit einem dieser Namen als “Denomination” betrachten würde.

(11) Röm 16,16; Kol 1,18 und Eph 4,4-6 können angeführt werden, um die Exklusivität der ICC zu unterstützen (d.h. die ICC ist der einzig verbleibende überrest des Leibes Christi). 1 Tim 3,1-12; Hebr 13,7 und Tit 1,5 stützen die ICC- Lehre über Kirchenautorität. 1 Tim 4,1-3 und 2 Tim 4,1-5 werden zitiert, um aggressiv auf die Schuld von (anderen) Denominationen hinzuweisen. “Problemstellen” können kritisch beurteilt werden (1 Kor I-17 [unklar im englischen Original]; Apg 16,31; Offb 3,20 und Röm 10,9-10 sind Texte, die “Probleme” schaffen, indem sie mit der ICC-Doktrin zu widerstreiten scheinen). Verse wie Mt 7,21; Röm 6,4-6; Apg 22,16; Kol 2,12 und Joh 8,31-32 können angeführt werden, um die ICC-Lehre vom Heil zu festigen. Texte wie Joh 17,20-21 und 1 Kor 1,10-13 können angeführt werden, um die Wichtigkeit der Einheit des Leibes Christi zu zeigen.

(12) Es wäre auch ein falscher “Beweis” zu sagen, weil es nur ein Haupt (Christus) gibt, gibt es nur einen Leib (Gemeinde). Genauso wie Christus kein physisches “Haupt” ist, ist die Gemeinde kein physischer Leib (Organisation).

(13) An sich wird der Ausdruck “Kosten überschlagen” in der NIV Bibel, der inoffiziellen übersetzung der Bewegung, nicht gebraucht. Offensichtlich stammt der Ausdruck aus der KJV (King James übersetzung) und ist aus der Frühgeschichte der Bewegung übriggeblieben. Die KJV spricht von “Kosten überschlagen”, während die NIV sagt “die Kosten einschätzen”.

(14) Von ICC-Mitgliedern wird erwartet, daß sie mindestens 10% ihres Bruttoeinkommens der Gemeinde geben. Im Neuen Testament gibt es keine Bibelstellen, die ein befehlsmäßiges Geben des Zehnten unterstützt: Es war das Gesetz Moses, das den Israeliten befohlen hatte, den zehnten Teil zu geben. Ironischerweise hat die ICC in ihrem Bemühen, die neutestamentliche Kirche wiederherzustellen, ein alttestamentliches Verfahren zweckdienlich wiedereingesetzt.

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Literaturverzeichnis

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©1997 von Dave Anderson <[email protected]>. Übersetzung ©1998 von Barbara Pfeifer und Astrid Perst. Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung und Weitergabe zu nicht-kommerziellen Zwecken erlaubt und erwünscht.


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